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Eichhörnchen Ratatöskr läuft am Stamm der Weltenesche Yggdrasil, unten der Drache Nidhögg an der Wurzel
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Nidhögg und Ratatöskr: Treiben an Yggdrasils Wurzeln

Nidhögg Ratatöskr: Der Drache nagt an Yggdrasils Wurzel, das Eichhörnchen trägt Schmähungen durch den Weltenbaum. Quellen, Mythos und Wahrheit im Überblick.

NidhöggRatatöskrYggdrasilNordische MythologieWeltenbaumEddaVöluspá

Ganz unten, wo niemand hinsieht

Wer an die Weltenesche Yggdrasil denkt, sieht meist die Krone vor sich: den Adler im Wipfel, die neun Welten, die zwischen den Ästen hängen. Doch der eigentliche Konflikt spielt sich unten ab, an den Wurzeln. Dort liegt der Drache Nidhögg und nagt. Und dazwischen, rauf und runter den ganzen Stamm entlang, flitzt ein Eichhörnchen namens Ratatöskr und trägt Beleidigungen hin und her. Das Stichwort Nidhögg Ratatöskr beschreibt damit kein Randmotiv, sondern den Maschinenraum des nordischen Weltbildes: Der Baum, der alles trägt, wird permanent angegriffen — und ein Klatschmaul heizt den Streit zusätzlich an.

In diesem Beitrag schauen wir, was die Quellen wirklich sagen, was spätere Erzählung dazudichtet und was dieses Treiben an den Wurzeln über die Vorstellung vom Weltenbaum verrät.

Eichhörnchen Ratatöskr läuft am Stamm der Weltenesche Yggdrasil, unten der Drache Nidhögg an der Wurzel

Nidhögg: der Nager an der Wurzel

Der Name Níðhöggr wird meist als „Schmäh-Schläger” oder „Hass-Beißer” übersetzt; der Wortteil -höggr bedeutet „Hauer/Beißer”, der vordere Teil leitet sich von níð (Schmach, soziale Schande) oder niðr (hinab) ab. Beide Deutungen passen, denn der Drache tut zweierlei.

Erstens nagt er an einer Wurzel von Yggdrasil. Snorri Sturluson hält in der Gylfaginning (Prosa-Edda, frühes 13. Jh.) fest, dass der Baum drei Wurzeln hat und dass Nidhögg an einer von ihnen nagt — jener Wurzel, die sich über Niflheim und der Quelle Hvergelmir befindet. In der Grímnismál (Lieder-Edda) heißt es zudem, dass mehr Schlangen unter der Esche liegen, „als ein einfältiger Affe glaubt”, und dass sie den Stamm von unten zermürben.

Zweitens ist Nidhögg ein Wesen der Toten. In der Völuspá erscheint er an der Náströnd, der „Leichenstrand”-Halle, wo Meineidige, Mörder und Ehebrecher büßen. Dort, so die Strophe, „saugt der Schmäh-Schläger die Leiber der Toten, der Wolf zerreißt Männer”. In der Schlussstrophe der Völuspá, nach Ragnarök, kommt „der dunkle Drache fliegend, die glänzende Natter, herauf von den Niðafjöll” — ein berühmtes, aber umstrittenes Bild (dazu unten mehr).

Ratatöskr: das Eichhörnchen als Brandstifter

Während Nidhögg unten kaut, sitzt im Wipfel ein namenloser Adler, „der vieles weiß”. Zwischen seinen Augen hockt laut Gylfaginning ein Habicht namens Veðrfölnir — wichtig, weil oft fälschlich der Adler selbst „Veðrfölnir” genannt wird; die Quelle nennt so nur den Habicht.

Die Verbindung zwischen Krone und Wurzel stellt Ratatöskr her. Die Grímnismál beschreibt das Eichhörnchen, das auf und ab an der Esche läuft und Worte zwischen dem Adler oben und Nidhögg unten überbringt. Der Name wird heute meist als „Bohrzahn” oder „Nagezahn” gedeutet (-toskr = „Zahn/Hauer”).

Was genau Ratatöskr transportiert, präzisiert erst Snorri: Es handelt sich um öfundarorð, also Neid- oder Schmähworte. Das Eichhörnchen befeuert die Feindschaft zwischen Adler und Drache. Die populäre Zuspitzung — Ratatöskr erfinde Beleidigungen dazu, übertreibe und lüge — ist allerdings eine moderne Ausschmückung. Die mittelalterlichen Texte sagen schlicht, dass es hetzerische Worte trägt; vom bewussten Lügen oder Aufbauschen steht dort nichts. Ein sympathisches Bild bleibt es trotzdem: ein Streit, der nur deshalb am Kochen gehalten wird, weil ein Bote dazwischen pendelt.

Mythos vs. Wahrheit

Verbreitete BehauptungWas die Quellen belegen
Nidhögg nagt an „der” Wurzel und will den Baum fällenSnorri nennt eine von drei Wurzeln (über Niflheim/Hvergelmir); ein „Plan”, den Baum zu Fall zu bringen, steht nirgends.
Ratatöskr erfindet und übertreibt die BotschaftenQuellen sagen nur: es trägt Schmähworte zwischen Adler und Drache. Die „Lügner”-Lesart ist moderne Deutung.
Veðrfölnir ist der Adler im WipfelVeðrfölnir ist laut Gylfaginning der Habicht zwischen den Augen des (namenlosen) Adlers.
Nidhögg überlebt Ragnarök und herrscht danachDie Schlussstrophe der Völuspá ist umstritten; ob sie Fortbestand des Bösen oder einen Nachklang meint, ist Auslegungssache.
Ratatöskr ist eine zentrale GottheitEs ist eine Nebenfigur, in nur wenigen Strophen erwähnt — wirkmächtig, aber klein.

Was das über den Weltenbaum sagt

Yggdrasil ist in den Quellen kein heiles Idyll. In der Grímnismál wird beklagt, dass die Esche „mehr leidet, als die Menschen wissen”: Ein Hirsch verbeißt sie oben, an den Seiten fault sie, und unten nagt Nidhögg. Der Weltenbaum ist also ein Organismus unter Dauerstress — und hält trotzdem. Genau darin liegt die Aussage: Die nordische Kosmologie denkt Ordnung nicht als ruhenden Zustand, sondern als Spannung, die nur durch ständige Pflege (die Nornen begießen den Stamm aus dem Urdbrunnen) gegen den Verfall behauptet wird. Wer mehr zur Architektur des Baumes wissen will, findet sie in unserem Beitrag zu Yggdrasil und den neun Welten; wie sich dieses Ringen am Ende der Welt entlädt, lesen Sie im Text zu Ragnarök.

Nidhögg und Ratatöskr sind in diesem Bild die beiden Pole der Zersetzung: der eine zerstört durch rohe Kraft an der Wurzel, der andere durch Worte, die den Konflikt am Leben halten. Mythologisch gelesen erinnert das daran, dass nicht nur die offene Gewalt eine Welt aushöhlt, sondern auch die Rede, die Feindschaften nährt. Ob die Wikingerzeit das so „moralisch” verstand, ist Spekulation — als Lesart ist es aber naheliegend. Wer tiefer in das Personal der nordischen Sagenwelt eintauchen will, dem sei unsere Übersicht zur nordischen Mythologie empfohlen.

Vom Stamm aufs Shirt

Bei North Legendary® arbeiten wir seit 2011 genau an dieser Stelle: Wir übersetzen Motive wie die Weltenesche in tragbare Streetwear. Der Yggdrasil-Stamm mit seinem Geäst ist eines unserer Lieblingsmotive — als Yggdrasil · Weltenesche für Herren, als Yggdrasil · Lebensbaum für Damen oder als wärmender Yggdrasil-Zipper. Damit so ein feines Linienmotiv über Jahre brillant bleibt, drucken wir in Deutschland im DTG-Direktdruckverfahren: Die Farbe wird direkt in die Faser eingebracht, das hält länger und bleibt scharf, statt nach wenigen Wäschen abzublättern. Die Textilien sind OEKO-TEX®-zertifiziert, also auf Schadstoffe geprüft — angenehm auf der Haut, gerade bei Teilen, die man oft trägt. Weitere Motive aus der nordischen Welt finden Sie in den Kategorien Herren und Damen.

So schließt sich der Kreis: Der Baum, an dessen Wurzeln Nidhögg nagt und um den Ratatöskr seine Schmähungen trägt, wird bei uns vom Mythos zum Stoff — haltbar gedruckt, schadstoffgeprüft, mit Respekt vor der Vorlage.

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Quellen

Häufige Fragen

Das fragen sich viele.

Was bedeutet der Name Nidhögg?

Níðhöggr wird meist als „Schmäh-Schläger" oder „Hass-Beißer" übersetzt. Der Wortteil -höggr heißt „Hauer/Beißer", der vordere Teil leitet sich von níð (Schmach) oder niðr (hinab) ab. Beide Deutungen passen zu seiner Rolle: Er nagt an der Wurzel und frisst Leichen.

Was trägt Ratatöskr zwischen Adler und Nidhögg hin und her?

Laut Snorris Gylfaginning sind es Schmäh- und Neidworte (öfundarorð). Das Eichhörnchen hält damit die Feindschaft zwischen dem Adler im Wipfel und dem Drachen an der Wurzel am Kochen. Dass es absichtlich lügt oder übertreibt, ist eine moderne Ausschmückung und steht so nicht in den Quellen.

An welcher Wurzel von Yggdrasil nagt Nidhögg?

Snorri nennt in der Gylfaginning drei Wurzeln. Nidhögg nagt an jener, die über Niflheim und der Quelle Hvergelmir liegt. Die Grímnismál ergänzt, dass weitere Schlangen den Stamm von unten zermürben.

Überlebt Nidhögg den Weltenuntergang Ragnarök?

Die Schlussstrophe der Völuspá zeigt den Drachen nach dem Untergang fliegend von den Niðafjöll heraufkommen. Ob das ein Fortbestehen des Bösen oder nur ein Nachklang ist, ist in der Forschung umstritten und bleibt Auslegungssache.

In welchen Quellen kommen Nidhögg und Ratatöskr vor?

Beide sind in der Lieder-Edda (Völuspá, Grímnismál) und in Snorri Sturlusons Prosa-Edda (Gylfaginning) bezeugt, beide aus dem 13. Jahrhundert. Ratatöskr wird in der Grímnismál und in Gylfaginning Kap. 16 genannt.

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Sippe sagt

Bewertungen & Kommentare

4,7 25 Bewertungen
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Ragnar.D

Ich trage seit Jahren nordische Motive, aber den Hintergrund zu Nidhögg und Ratatöskr habe ich erst hier richtig verstanden. Toll, dass ihr auch die unbequemen Details nicht auslasst und nichts romantisiert. So ein Beitrag macht das Motiv auf dem Shirt erst richtig wertvoll. Bitte unbedingt so weitermachen.

Thorben

Schöner Mix aus Tiefe und Verständlichkeit. Gefällt mir.

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