Sköll und Hati: Wölfe, die Sonne und Mond jagen
Sköll Hati Wölfe: Warum zwei Wölfe Sonne (Sól) und Mond (Máni) jagen und sie bei Ragnarök verschlingen. Verwandtschaft zu Fenrir, Quellen sauber belegt.
Zwei Wölfe, ein Himmel, kein Entkommen
Wenn die Sonne morgens aufgeht und abends sinkt, dann liegt das nach nordischer Vorstellung nicht an einer ruhigen Bahn am Firmament — sondern an Flucht. Die Sonnengöttin Sól wird gejagt. Hinter ihr her hetzt ein Wolf, Sköll, mit aufgerissenem Rachen. Und sobald die Nacht kommt, beginnt dasselbe Spiel ein zweites Mal: Ein weiterer Wolf, Hati, treibt den Mond Máni vor sich her über den dunklen Himmel.
Das ist der Kern eines der bildmächtigsten Motive der nordischen Mythologie: Die Himmelslichter ziehen nicht ihre Kreise — sie rennen um ihr Leben. Und das Beunruhigende daran ist die eingebaute Prophezeiung. Eines Tages, beim Ragnarök, holen die Wölfe ihre Beute ein. Dann erlöschen Sonne und Mond.
In diesem Beitrag trennen wir, was wirklich in den mittelalterlichen Quellen steht, von dem, was moderne Erzählungen und Spiele hinzugedichtet haben. Denn gerade bei Sköll und Hati ist vieles weniger eindeutig, als es oft klingt.

Wer sind Sköll und Hati?
Sköll und Hati sind zwei Wölfe, die ohne Unterlass über den Himmel jagen. Ihre Aufgabe ist denkbar einfach und doch kosmisch bedeutsam: Sie sorgen dafür, dass die Himmelskörper nie zur Ruhe kommen.
Nach Snorri Sturlusons Prosa-Edda (Gylfaginning) verhält es sich so:
- Sköll verfolgt die Sonne (Sól). Erst beim Weltuntergang erwischt er sie und verschlingt sie.
- Hati Hróðvitnisson jagt den Mond (Máni) — und reißt ihn am Ende ebenfalls.
Snorri schreibt über die Sonne, sie eile in großer Hast, „denn ihr Verfolger ist ihr dicht auf den Fersen, und es bleibt ihr nichts übrig, als zu fliehen”. Das ist keine beruhigende Astronomie. Es ist eine Welt, in der das Licht selbst auf der Flucht ist.
Was ihre Namen bedeuten
Die Namen sind kein Zufall, sondern Programm. Sköll wird im Altnordischen meist mit „Spott” oder „Hohn”, teils auch mit „Verrat” übersetzt; der Name hängt mit einem Wort fürs Bellen und Schelten zusammen — der Wolf, der die Sonne verhöhnt. Hati bedeutet schlicht „der Hassende” oder „Feind”.
Sein Beiname Hróðvitnisson ist der eigentliche Schlüssel: Er bedeutet „Sohn des Hróðvitnir”. Und Hróðvitnir („berühmter Wolf”) ist ein bekannter Beiname für — Fenrir.
Die Verwandtschaft zu Fenrir
Hier wird es interessant, denn genau dieser Punkt wird oft verwechselt. Sköll und Hati sind nicht identisch mit Fenrir, sondern stammen von ihm ab. Wer mehr über den gefesselten Stammvater wissen will, findet die ganze Geschichte in unserem Beitrag über Fenrir, den Fenriswolf.
Nach der Völuspá und Snorris Gylfaginning (Kap. 12) sitzt im Osten von Midgard, im Eisenwald Járnviðr, eine alte Riesin. Sie gebiert dort eine ganze Brut von Wölfen — „die Sippe Fenrirs”. Aus diesem Geschlecht, so heißt es, geht der mächtigste hervor: ein Wolf, der den Mond verschlingen wird.
Damit ergibt sich eine klare Generationenfolge:
| Figur | Rolle | Quelle |
|---|---|---|
| Fenrir (Hróðvitnir) | gefesselter Stammvater, verschlingt Odin | Völuspá, Gylfaginning |
| Sköll | jagt (laut Snorri) die Sonne | Grímnismál, Gylfaginning |
| Hati Hróðvitnisson | jagt (laut Snorri) den Mond | Grímnismál, Gylfaginning |
Die Wölfe sind also Fenrirs Erbe am Himmel — dieselbe ungezähmte, verschlingende Kraft, nur auf die Gestirne gerichtet statt auf die Götter.
Der umstrittene Punkt: Welcher Wolf jagt was?
Jetzt kommt die ehrliche Stelle, die in vielen populären Texten unter den Tisch fällt. Die zentrale Quelle für beide Wölfe ist Strophe 39 der Grímnismál aus der Lieder-Edda. Dort heißt es im Altnordischen sinngemäß: Sköll folgt dem „lichtgesichtigen Gott” zum schützenden Wald, und der andere, Hati, Hróðvitnirs Sohn, jagt „der hellen Braut des Himmels” nach.
Und genau hier widerspricht die Lieder-Edda dem, was Snorri später schreibt:
- Das Wort für Skölls Beute — goð („Gott”) — ist im Altnordischen männlich.
- Das Wort für Hatis Beute — brúðr („Braut”) — ist weiblich.
In der nordischen Mythologie ist der Mond (Máni) männlich und die Sonne (Sól) weiblich. Nimmt man die Grammatik der Strophe wörtlich, jagt Sköll also den Mond und Hati die Sonne — also genau umgekehrt zu Snorri.
| Mythos / Behauptung | Was die Quellen sagen |
|---|---|
| „Sköll jagt eindeutig die Sonne, Hati den Mond” | So sagt es Snorri — die Grímnismál legt grammatisch das Gegenteil nahe |
| „Sköll und Hati sind nur andere Namen für Fenrir” | In den Texten sind es eigene Wölfe; nur einzelne Forscher (z. B. Simek) erwägen, dass es Doppelungen sind |
| „Es gibt drei klar getrennte Wölfe” | Snorri nennt zusätzlich Mánagarmr — möglicherweise nur ein weiterer Name für Hati |
| „Die Wölfe sind nordische Götter” | Nein — sie stammen aus dem Riesengeschlecht (Járnviðr), nicht aus dem Kreis der Asen |
Wer also behauptet, die Zuordnung sei „eindeutig geklärt”, vereinfacht. Sicher ist nur die Grundkonstellation: zwei Wölfe, zwei Himmelskörper, ein unausweichliches Ende. Welcher Wolf welches Licht jagt, bleibt eine offene Frage der Überlieferung — und ein schönes Beispiel dafür, dass die Edda kein widerspruchsfreies Lehrbuch ist, sondern ein Geflecht aus verschiedenen Stimmen.
Und Mánagarmr?
Snorri nennt an einer Stelle noch einen dritten Namen: Mánagarmr („Mondhund”), den mächtigsten Spross der Riesin, der den Mond verschlingen und sich am Fleisch der Toten sättigen werde. Vermutlich ist das kein vierter Wolf, sondern ein aus der Volksüberlieferung übernommener Beiname für Hati (oder Sköll). Auch das gehört zur Wahrheit dieses Mythos: Die Quellen sind sich nicht einig, wie viele Wölfe es überhaupt sind.
Die Symbolik: Zeit, Jagd und das Vergehen
Warum erfanden die Menschen des Nordens überhaupt jagende Wölfe am Himmel? Die naheliegende Antwort ist: um die Zeit zu erklären.
Solange Sköll und Hati ihre Beute nicht einholen, läuft die Welt weiter. Tag folgt auf Nacht, Sommer auf Winter — der Wechsel der Gestirne ist die laufende Uhr des Kosmos. Die Jagd ist nichts anderes als die vergehende Zeit selbst, sichtbar gemacht. Jeder Sonnenaufgang ist ein knappes Entkommen, jeder Sonnenuntergang ein erneutes Aufnehmen der Verfolgung.
Darin steckt eine zutiefst nordische Weltsicht: Das Schöne und Helle ist nie sicher. Es wird gejagt. Und das Ende ist nicht vermeidbar, nur aufschiebbar. Wenn die Wölfe schließlich zubeißen, ist das eines der ersten Zeichen für Ragnarök, den Untergang der Welt — die Sterne fallen, und Finsternis legt sich über alles.
Manche Forscher, etwa Rudolf Simek, vermuten hinter den „Himmelswölfen” außerdem ein Naturphänomen: die sogenannten Nebensonnen oder „Sonnenhunde” (in skandinavischen Sprachen solvarg, „Sonnenwolf”), helle Lichtflecken neben der Sonne. Das ist eine plausible, aber nicht beweisbare Deutung — wir nennen sie hier ehrlich als das, was sie ist: eine Hypothese.
Das Motiv der ewigen Jagd hat genau wegen dieser Doppeldeutigkeit etwas Magnetisches. Es steht für den Lauf der Zeit, für Licht und Schatten, die einander nie besiegen, sondern im ewigen Wechsel verbunden bleiben. Wer diese Dualität als stilles Bekenntnis tragen möchte, findet sie im Motiv Hati & Skalli · Die ewige Jagd aus unserer Herren-Kollektion wieder — die beiden Wölfe zwischen strahlender Sonne und zarter Mondsichel, gefasst in einen Runenring.
Vom Eisenwald auf den Stoff
Ein Motiv wie die Himmelsjagd lebt vom Kontrast: das harte Profil der Wölfe gegen die runde Wärme der Sonne, die feine Sichel des Mondes gegen das dunkle Rund des Nachthimmels. Damit diese feinen Linien und der Kontrast zwischen Licht und Schatten nicht verblassen, drucken wir bei North Legendary® im DTG-Direktdruckverfahren in Deutschland: Die Farbe wird direkt in die Faser gebracht, was selbst zarte Ornamente brillant und langlebig hält. Die Textilien sind OEKO-TEX®-zertifiziert — frei von gesundheitlich bedenklichen Schadstoffen.
Die Symbolik der jagenden Wölfe ist dabei nicht geschlechtsgebunden: In der weiblichen Linie erscheint dasselbe Motiv als Hati & Skalli · Sonne und Mond in unserer Damen-Kollektion. So wird aus einer rund tausend Jahre alten Sage ein Stück, das den Alltag übersteht.
Fazit
Sköll und Hati sind mehr als zwei Monster am Rand der Edda. Sie sind die laufende Uhr einer Welt, die weiß, dass sie enden wird. Solange die Wölfe rennen, dreht sich der Kosmos; wenn sie zubeißen, beginnt das Ende.
Was die Quellen ehrlich offenlassen — welcher Wolf welches Licht jagt — macht das Bild nur stärker. Es geht nicht um die saubere Buchhaltung der Mythologie, sondern um eine Wahrheit, die jeder kennt: Das Helle ist kostbar, gerade weil es gejagt wird. Wer mehr über das größere Gefüge der neun Welten und Götterfamilien wissen möchte, findet den Rahmen in unserem Überblick zur nordischen Mythologie.
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★ Bewerten & kommentierenQuellen
Das fragen sich viele.
Jagt Sköll die Sonne oder den Mond?
Das ist tatsächlich umstritten. Snorri Sturluson schreibt in der Prosa-Edda, Sköll jage die Sonne und Hati den Mond. Die Strophe 39 der Grímnismál legt grammatisch jedoch das Gegenteil nahe: Das Wort für Skölls Beute ist männlich (passend zum Mond Máni), das für Hatis Beute weiblich (passend zur Sonne Sól). Eindeutig geklärt ist die Zuordnung also nicht.
Sind Sköll und Hati dasselbe wie Fenrir?
Nein. In den Quellen sind es eigenständige Wölfe, die von Fenrir abstammen. Hatis Beiname Hróðvitnisson bedeutet 'Sohn des Hróðvitnir', und Hróðvitnir ist ein Beiname für Fenrir. Nur einzelne Forscher wie Rudolf Simek erwägen, dass Sköll, Hati und Fenrir ursprünglich Doppelungen einer Figur sein könnten.
Was passiert bei Ragnarök mit den Wölfen?
Solange die Welt besteht, holen die Wölfe ihre Beute nie ein. Beim Ragnarök ist es so weit: Ein Wolf verschlingt die Sonne, der andere den Mond. Das Erlöschen der Himmelslichter gilt als eines der ersten Zeichen des Weltuntergangs, gefolgt vom Fallen der Sterne und großer Finsternis.
Was bedeuten die Namen Sköll und Hati?
Sköll wird im Altnordischen meist mit 'Spott' oder 'Hohn', teils mit 'Verrat' übersetzt und hängt mit einem Wort fürs Bellen zusammen. Hati bedeutet 'der Hassende' oder 'Feind'. Beide Namen unterstreichen ihre Rolle als feindselige Verfolger der Himmelslichter.
Wer ist Mánagarmr?
Mánagarmr ('Mondhund') ist ein Name, den Snorri für den Wolf nennt, der den Mond verschlingt. Vermutlich ist es kein eigener vierter Wolf, sondern ein aus der Volksüberlieferung übernommener Beiname für Hati oder Sköll. Auch hier sind sich die Quellen nicht einig.
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Bewertungen & Kommentare
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Perfekt zum Sonntagskaffee. Freue mich auf den nächsten Teil.
Als jemand, der selbst in einer Reenactment-Gruppe aktiv ist, kann ich sagen: Der Abschnitt zu Sköll und Hati ist erfreulich korrekt. Vieles, was sonst als „altes Wikingerwissen" verkauft wird, ist ja erst Jahrhunderte später entstanden – und genau das benennt ihr. Schön, dass Respekt vor der Kultur und gutes Design hier zusammenkommen.
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